Chronik des Aachener Sportkeglervereins e.V. 1904

askv wappen vs             askv wappen vs

                          

Ein sicherlich nicht leichtes Unterfangen an dieser Stelle eine Chronik zu verfassen, welches sich zu einem der traditionsreichen und zugleich erfolgreichsten Mitglieder im Deutschen Keglerbund zählen darf.

Bedenkt man, dass das gesamte Schrifttum des Vereins den Bomben zweier Weltkriege zum Opfer fiel, so bedurfte es recht umfangreicher Recherchen einen Rückblick zu verfassen. Wir wollen jedoch versuchen, über das was wir waren und sind, einen möglichst informativen Bericht zu geben.

Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich aus dem in Deutschland heimischen Kegelspiel das sportliche Kegeln. Rheinische Kegler aus Krefeld gaben den ersten Anstoß zu einem Zusammenschluss und im Jahre 1885 kam es in Dresden zur Gründung des Deutschen Kegler-Bundes. Die von diesem ausgeschriebenen Bundeskegeln wurden sportlichen Veranstaltungen ersten Ranges. Der Besuch des Bundeskegeln 1904 in Solingen durch die Kameraden Math. Bergrath, Josef Brinkhues und Heinrich Kalif wurde für Aachen Veranlassung, dem Deutschen Kegler-Bund beizutreten und führte anschließend dazu, am 13. Dezember 1904 im Restaurant „Klüppel" den Aachener Kegler-Verband (später Aachener Keglerverein) zu gründen.

In der ersten Versammlung übernahm Otto Bernoulli den Vorsitz, jedoch wurde dieser schon kurz nachher durch den Tod abberufen. Nachfolger wurde O. Hoppe, der aber aus beruflichen Gründen Aachen verlassen musste. Innerhalb von zwei Jahren stand der junge Verband also vor der dritten Vorstandswahl. Diese fiel auf Math. Bergrath, der durch seine aktive Tätigkeit maßgeblich an der Kegelsportentwicklung in Aachen beteiligt war. Nachdem er 1907 zurücktrat führte W. Nüttgens die Geschicke des Verbandes, um den Vorsitz 1909 an Jean Stange abzugeben. Unter seiner Leitung erlebte der Verband eine Blütezeit, das sportliche Leben nahm einen gewaltigen Aufschwung, die Zahl der Mitglieder nahm dauernd zu. Der Gedanke eines Eigenheimes wurde stark gefördert und schien in

greifbarer Nähe, als 1914 wie ein Blitz aus heiterem Himmel der Weltkrieg zum Ausbruch kam. Das sportliche Leben erlitt eine ungeheure Einbuße und es ist Stange's Verdienst, wenn er in schwerer Zeit das Verbandsschiff durch alle Klippen glücklich hindurchsteuern konnte. Als Stange 1921 aus geschäftlichen Gründen den Vorsitz niederlegte, wählten die dankbaren Mitglieder ihn zum Ehrenvorsitzenden.

An seine Stelle trat Andre Olivier, der jedoch die Leitung bereits im Jahre 1922 in die Hände seines bisherigen Stellvertreters Peter Andre legte. Inzwischen hatten die Bestrebungen des Bundes dazu geführt, dass das Kegeln als „Sport" höheren Ortes sowohl als auch bei den übrigen Sportarten anerkannt worden war. Es lag also nichts näher, als die Arbeiten zum Bau eines eigenen Sportheimes erneut aufzunehmen. Ein Baugelände an der Lochnerstraße wurde angekauft, aber leider stellten sich unvorherzusehende Schwierigkeiten für die Bebauung des Geländes heraus, die die Ausführung untragbar erscheinen ließen. Wir waren um einen Hoffnung ärmer, aber Peter Andre war der Mann, der die durch diesen Misserfolg teilweise mutlos gewordenen Mitglieder zusammenhielt und das Ganze wieder festigte.

Unter seiner Regie hatten Aachens Kegler bei den 1. Deutschen Meisterschaften 1922 in Frankfurt am Main einen großen Erfolg zu verbuchen. Die Zehnermannschaft wurde Deutscher Vereinsmeister. Weitere schöne Erfolge bei Deutschen Meisterschaften kamen ihm bei seinen Bestrebungen sehr zugute.

So konnte die Herren-Vereinsmannschaft 1923 und 1924 in Braunschweig wieder den Titel eines Deutschen Meisters erringen. Die zum 1. Male ausgetragene Meisterschaft im Herren- Einzel sah 1923 den Aachener Jos. Fuhrmanns vorne. (Anmerkung der Redaktion: Infolge der Geldentwertung fielen 1923 die 2. Deutschen Meisterschaftskämpfe aus und wurden 1924 mit den 3. Deutschen Meisterschaften gemeinsam ausgetragen. Die Sieger und Placierten wurden jedoch in getrennten Wettkämpfen ermittelt.)

Berlin war 1926 Schauplatz der 5. Deutschen Meisterschaften. Unsere Herren-Vereinsmannschaft errang hinter Halberstadt die Silbermedaille dagegen für Heinr. Defeler, der in der Seniorenklasse erfolgreich war. Bei den 7. Deutschen Meisterschaften 1928 in Kiel gab es wiederum einen 1. Rang für Heinr. Defeler, der bei den Senioren auf der Asphaltbahn erfolgreich war. Immerhin schon 656 Durchschnitt erzielte die Aachener Herren-Vereinsmannschaft und erreichte mit einem Holz Rückstand hinter Gastgeber Kiel erneut die Silbermedaille. Eine sehr erfolgreiche Zeit unter Peter Andre ging zu Ende. Als er zu Anfang 1929 den Vorsitz niederlegte, wollte es der Zufall, bei dem 25 jährigen Vereins-Bestehen dessen Mitgründer Math. Bergrath wieder die Leitung des Verbandes in Händen hatte. Selten wohl hat es einen Mann gegeben, der mit so selbstloser Hingabe für die Interessen des Kegelsportes eingetreten ist, wie gerade er. Auch unter seiner Leitung wurden in den Jahren 1929 bis 1932 einige schöne Erfolge bei Deutschen Meisterschaften errungen. So 1932 in Leipzig durch Heinr. Defeler, der seine 3. Deutsche Einzelmeisterschaft gewann. Math. Bergrath hatte auch maßgeblichen Anteil daran, dass im Juni 1931 in Aachen der 1. Internationale Kegelwettkampf zur Austragung kam. Eine holländische Mannschaft verlor in Aachen, gewann jedoch den Rückkampf in Maastricht und wurde Gesamtsieger dieses Vergleichs. lm Jahre 1933 kandidierte Math. Bergrath nicht mehr und Stefan Lennerts wurde Verbandsvorsitzender. Er, der auch etliche Jahre den später so erfolgreichen Klup „Sportfreunde 28" Aachen leitete, konnte mit Aachens Kegelsport eine der führenden Position im DKB untermauern. Bei den 12. Deutschen Meisterschaften in Nürnberg wurde seine Herren-Vereinsmannschaft mit einer Durchschnittsleistung von 707 Holz Deutscher Meister.

Das der Aachener Kegelsport über die deutschen Grenzen hinaus ein hohes Ansehen genießen konnte, war das Verdienst von 2 Sportkameraden, die auch viele Jahre nach Erreichung ihrer größten Erfolge zur kegelsportlichen Entwicklung in Aachen beigetragen haben. Sie waren uns Vorbild und Lehrmeister zugleich und haben durch ihre hervorragenden Leistungen ein Stück der Aachener Kegelsportgeschichte geschrieben. Gemeint sind Franz Defeler und Heinrich Thönnessen. Von 1933 bis 1938 stand Franz Defeler 13 x und Heinr. Thönnessen 5 x in der Deutschen Nationalmannschaft. F. Defeler hat somit alle Länderkämpfe, die in dieser Zeit absolviert wurden, mitgemacht. Einige Male war er dabei sogar bester Einzelstarter. Mit dem Beginn des 2. Weltkrieges wurde es dann etwas ruhiger im Sportgeschehen, auch im Kegelsport. Dennoch gewann der Klub „Sportfreunde 28" im Jahr 1939 die Deutsche Klubmeisterschaft. Von 1939 bis 1945 hatte dann der spätere Gauvorsitzende des Mittelrheins Willy Schweitzer den Verbandsvorsitz inne. Trotz aller Kriegswirren verstand er es, das sportliche Leben nicht einschlafen zu lassen, sondern auch noch beachtliche Erfolge, mit den wenigen in der Heimat verbliebenen Sportlern, zu erringen. Um die Tätigkeit als Sportverband wieder aufnehmen zu können, musste nach dem Kriege ein „Unbelasteter" gesucht und gefunden werden. Da sich der bereits seit 1922 als Sportwart tätige Kamerad Math. Simons für die Übernahme des Vorsitzes gewinnen ließ, konnten wir schnell wieder in Tritt kommen, zumal es Math. Simons gelang, den Brennerei- und Gaststättenbesitzer Kirsch zu bewegen, einen bereits im Bau befindlichen Tanzsaal in ein Keglerheim zu ändern. Das der Plan richtig war, beweist die Tatsache, dass die Kegelsportanlage ca. 30 Jahre lang der Haupttreffpunkt Aachens Kegelsportler war.

Der allgemein nach dem ersten Weltkrieg auftretende Drang nach sportlicher Betätigung fand auch bei den Keglern ein großes Echo. Durch die Angliederung des Deutschen Kegler-Bundes an den Reichsausschuß für Leibesübungen nahm die kegelsportliche Entwicklung ein immer größeres Ausmaß an. Auch in Aachen stieg die Mitgliederzahl enorm an und weitere sportliche Erfolge ließen nicht lange auf sich harten. Math. Simons, vorbelastet durch seine langjährige Tätigkeit als Verbandssportwart, wusste hier am ehesten wo der Hebel anzusetzen war. Mit Lory Radermacher als Sportwart stand ihm eine bewährte Kraft zur Seite. Ein Team, welches sich das Sammeln der bei Deutschen Meisterschaften errungenen Medaillen zum Hobby machte. Bei der Deutschen Dreibahnen-Meisterschaft 1951 in Hannover wurde die Herren-Vereinsmannschaft zweiter Sieger hinter Berlin. Nur 2 Holz fehlten zur Goldmedaille. Heinr. Thönnessen belegte bei den Senioren Platz 3 und Lory Radermacher konnte bei der Bundesfigurenmeisterschaft den 2. Platz erringen. 1952 in Dortmund wurden mehrere 4. Plätze belegt. Erstaunlich die immer wieder hervorragenden Leistungen beim Dreibahnwettkampf, dem in Aachen, rein vorbereitungsmäßig gesehen, nicht die allererste Beachtung galt. Die galt nach wie vor dem Scherenbahnkegeln. Martin Kuck, der bis zum 80. Lebensjahr aktiv dem Kegelsport betrieb, konnte in der Seniorenklasse den 2. Platz belegen.

Jakob Sommer, einer der ganz großen Aachener Kegelsport-Pioniere, war es bei den Deutschen Meisterschaften 1953 in Berlin vorbehalten, den 2. Titel im Herren-Einzel für Aachen zu gewinnen. Genau 30 Jahre nach dem Titelgewinn durch Jos. Fuhrmanns beherrschte Jakob Sommer die gesamte Konkurrenz souverän. Nur 1 Holz fehlte Franz Defeler in der Seniorenklasse zum Sieg. Ebenfalls Silber errang die Senioren-Mannschaft, die sich nur den Berlinern geschlagen gab. Ohne jegliche Trainingsmöglichkeit und damit von Experten als chancenlos bezeichnet, ging unsere Senioren-Mannschaft auf der Asphaltbahn an den Start. Mit 74 Holz Vorsprung zum Zweitplacierten ging unser Schlussstarter auf die Bahn. Seine Nerven spielten jedoch nicht mit, so dass am Ende Platz 5 blieb. Dennoch waren sich alle einig - Berlin war eine Reise wert.

Weitere Beiträge ...

Seite 1 von 4